Lafontaine, A. H. J.: »Das Herz wandte sich mir in der Brust um«

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Verkaufspreis9,95 €

Beschreibung

»Das Herz wandte sich mir in der Brust um«
Literarische Briefe von den Kriegen der Französischen Revolution von August Heinrich Julius Lafontaine
Hg. von Ingeborg und Hermann von Lips

112 S., geb., mit s/w-Abb.
ISBN 978-3-89812-579-6

 

Literarische Briefe von den Kriegen zur Französischen Revolution

Als preußischer Feldprediger war Lafontaine an den Feldzügen des 1. Koalitionskrieges (1792–1795) gegen die französischen Truppen beteiligt. In der Form literarischer Briefe berichtet er über die Kriegswirren, seine Eindrücke und die Stimmungslage der Bevölkerung. Der besondere Reiz: Lafontaine unterscheidet zwischen den Briefen für das weibliche und für das männliche Publikum! Beide sind erstmals in diesem Band vereinigt und erlauben den direkten Vergleich.

Herausgeber

Ingeborg von Lips, promovierte Germanistin, nach Tätigkeit an der Universität Erlangen-Nürnberg heute freiberuflich tätig.

Hermann von Lips ist Professor em. der Theologie an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg.

Leseprobe

Man traut den Franken nicht mehr; alles flieht, was fliehen kann, selbst ihre entschiedenen Freunde. Man ahndet es voraus, daß der Französische Geist ein zerstörender Dämon sein wird. Unglücklicher Weise kann Niemand seinen Reichtum retten. Die Weinlese ist erst gewesen, die Keller liegen alle voll. Wer am Rheinufer wohnt, konnte sich noch glücklich schätzen; denn ein Kahn war doch eher zu bekommen, als Wagen und Pferde, die hier überall nicht so häufig sind, da der Weinbau Pferde unnötig macht. Diese Furcht ist auch gar nicht unbegründet; denn so viel man schon Nachricht hat, wird jedes Dorf, das den Franken in die Hände fällt, regelmäßig für Rechnung des Konvents ausgeplündert. Sogar ihre eigenen Dörfer bleiben nicht einmal von dieser allgemeinen Plünderung frei. Eine seltsame Gleichheit!
Bei dem Worte Gleichheit fällt mir ein, daß ich Ihnen von ein Paar Dörfern zu erzählen habe, die im wörtlichen Verstande frei und gleich waren. In einem habe ich selbst mehrere Tage zugebracht. Frankreich hatte über dieses Dorf die Landeshoheit, und der Fürstbischof von Speyer zog die Einkünfte. Nach der Französischen Konstitution wurden die Einkünfte des Fürsten aufgehoben, und die Einwohner zahlten eins für alles nur die Grundsteuer. Zehnten, Abgaben an den Geistlichen, Frondienste, Zollgefälle, Lagergeld, alles war aufgehoben. Nun kommen die Deutschen Truppen in diese Gegend. Folglich hört auch die letzte Abgabe dieses Dorfes, die Grundsteuer, die sie an Frankreich hätten bezahlen müssen, auf, und zugleich auch das Ansehen der Französischen Obrigkeit. Der Fürstbischof von Speyer fordert ebenfalls, ich weiß nicht warum, keine Steuern von dem Dorfe, setzt auch keine Obrigkeit an; und so war dieses Dorf ohne Gesetz, ohne Obrigkeit, ohne Abgaben, ohne irgend eine Spur einer bürgerlichen Verfassung. Mitten in Europa, in Deutschland, ein Haufen Menschen, die in dem vollsten Naturzustande lebten, ohne etwas zu kennen, das sie eingeschränkt hätte! Gewiß ein höchst seltener Fall!