Mortschiladse, Aka: Schatten auf dem Weg

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Verkaufspreis19,95 €

Beschreibung

Aka Mortschiladse
Schatten auf dem Weg
Unbekannte Geschichten aus der Sowjetzeit in Georgien
Aus dem Georgischen von Natia Mikeladse-Bachsoliani

ca. 280 S., KlBr., 135 × 210 mm
ISBN 978-3-95462-922-0

ET: Oktober 2017


Ein lebendiges Bild der Sowjet-Epoche in Georgien

Neben seinen erfolgreichen Romanen schreibt Aka Mortschiladse auch Dokumentarliteratur. In seinem 2014 erschienenen Buch »Der Schatten auf dem Weg« nimmt er die sowjetische Vergangenheit von Georgien, genauer genommen aber der Hauptstadt Tbilissi in den Blick. Als Gerüst dienen ihm dabei literarische Texte, Filme und Protagonisten aus dieser Zeit. So deckt er indirekt den Einfluss der Kunst, insbesondere des Films, auf den Alltag und die Beziehungen der Menschen sowie auf das Verhalten der Tbilisser Jugendlichen in der Sowjetunion auf. Das ehemalige Nobelviertel von Tbilissi, Vake, spielt eine besondere Rolle: Als urbanes Produkt der Sowjetepoche waren und sind dieses Viertel und seine Umgebung ein kompliziertes Gewirr sozialer und geografischer Beziehungen. Mortschiladse endet mit dem Zerfall der Sowjetunion. Er führt den Leser nicht weiter in die viel schwierigeren neunziger Jahre und lässt keinerlei Nostalgie aufkommen, sondern schließt mit der Hoffnung auf ein besseres Georgien.

Autor

Aka Mortschiladse, geb. 1966 in Tbilissi, einer der bekanntesten georgischen Schriftsteller der Gegenwart. Er studierte Geschichte an der Staatlichen Universität Tbilissi, wo er später auch lehrte. In den 90er Jahren arbeitete er als Sportjournalist und Kolumnist für Zeitungen. Seit 1998 hat er zwanzig Romane und drei Kurzgeschichtenbände veröffentlicht. Für seine Romane erhielt er die wichtigsten Literaturpreise seines Landes. Er lebt und arbeitet in London.

Übersetzerin

Natia Mikeladse-Bachsoliani, geb. in Tbilissi, arbeitet beim Goethe-Institut in Tbilissi und übersetzte aus dem Georgischen u. a. Tamta Melaschwilis preisgekrönten Roman »Abzählen« (2015) sowie Aka Morchiladses Chronik eines Phantasie-Georgiens »Santa Esperanza« (2006).

Leseprobe

In unserem Kiez kann ich mich an drei Personen von diesem Schlag erinnern. Das waren weder freiwillige Helfer auf den Straßen, sogenannte »Druscheniki«, noch hatte ihnen die Regierung einen besonderen Auftrag aufgehalst. Das waren einfach nur Ordnungsbrüder, die einen unbedingt belehren wollten und dabei immer wieder betonten, dass es unsere Generation nie zurückzahlen könnte. Damit war der Krieg gemeint – früher als Großer Vaterländischer und heutzutage als Zweiter Weltkrieg bezeichnet. Wir wurden ständig daran erinnert, dass wir für diesen sonnigen Himmel für immer und ewig in ihrer Schuld stünden. Irgendwie war das so.
In den neunziger Jahren und danach haben wir oft dar­über geschmunzelt. Man hat uns so lange zugerufen, wir hätten keinen Krieg, kein Elend und keine schweren Zeiten erlebt, dass wir schließlich viel mehr davon abbekommen haben.
Später stellte sich heraus, dass diese ständige Ermahnung oder Erinnerung daran, dass wir dank dem Blut, das irgendwann geflossen ist, eine glückliche Kindheit und Jugend hatten, fast bei jedem Kind hängengeblieben war.