Thürk, Harry: Die Stunde der toten Augen

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Verkaufspreis14,90 €

Beschreibung

Harry Thürk
Die Stunde der toten Augen
Roman

11. Aufl. 2018
448 S., Br., 125 x 200 mm
ISBN 978-3-89812-384-6

 

Junge Menschen am Ende des Zweiten Weltkriegs; als Fallschirmjäger werden sie hinter den feindlichen Linien der Ostfront abgesetzt, um Sabotageakte zu verüben. Der Krieg ist bereits verloren, aber das Sterben geht weiter … bis zuletzt auch sie an der Reihe sind - Thürks berühmter Antikriegsroman.

AUTOR

Harry Thürk (1927–2005), geb. in Zülz (heute Biala/Polen), Besuch der Real- und Handelsschule in Neustadt/Schlesien, 1944/45 Wehrdienst, nach dem Krieg Rückkehr nach Neustadt, Internierung in einem Durchgangsghetto für Deutsche, von dort Flucht nach Ostdeutschland. In der DDR Arbeit als Reporter (u. a. Auslandskorrespondent in Korea, China, Vietnam, Laos, Kambodscha), was sich in seiner literarischen Arbeit niederschlug, seit 1958 freier Autor in Weimar. Seine Bücher wurden in polnische, tschechische, slowakische, ungarische, rumänische, russische, finnische, litauische, vietnamesische und spanische Sprache übersetzt.

Pressestimmen

»Ein Buch, das erschütternd die durch den Krieg aus den Fugen geratene, zerstörte Welt dieser jungen Männer schildert. Hart und realistisch, in manchen Szenen aber auch mit Poesie und Nachdenklichkeit erzählt.«
Das neue Buch/Buchprofile

»Harry Thürks Roman ist ein Anti-Kriegs-Buch eindringlicher Art: Es gelingt ihm meisterhaft, fesselnde Geschehnisse mit den Schilderungen der Schrecken des Krieges und den quälenden moralischen Bedenken des Einzelnen zu verknüpfen.«
Regionalanzeiger

»Thürk schrieb einen der wenigen DDR-Romane, der realistisch und mitfühlend den Rußlandfeldzug aus deutscher Soldatensicht darstellt. Sehr spannend, mit Raum für Individualität und zarte Liebe.«
ekz-Informationsdienst

»Weil das Buch sich eindeutig gegen Krieg ausspricht und nirgendwo nostalgisch militärischen ,Abenteuern' nachhängt auch als Lektüre für Jugendliche geeignet!«
Der evangelische Buchberater

LESEPROBE

Während sie sich gebückt durch das Buschwerk auf das Bahnwärterhäuschen zu bewegten, merkte Bindig, daß sie nur sechs waren, und er erinnerte sich daran, daß die anderen zwei inzwischen an dem Häuschen standen. Es kann nichts passieren, dachte er. Es ist alles genau ausgeklügelt. Wenn das in dem Häuschen vorbei ist, haben Zado und ich Ruhe bis morgen nacht. Alles Weitere machen die anderen.
Timm ging zwischen ihnen. Er zog sie dicht zu sich heran und erklärte ihnen im Gehen: »Das Häuschen hat an jeder Seite ein Fenster. Man könnte es einfach von draußen machen, durch die Fenster. Aber das ist zu laut. Zwei werden an den Fenstern stehenbleiben. Wenn ihr Pech habt, werden sie schießen. Aber ihr dürft kein Pech haben. Man weiß nicht, ob nicht doch irgendwo einer was hört. Übereilt euch nicht. Macht erst die Tür zu, wenn ihr drin seid. Sie sind verschlafen. Sie werden euch in den Mänteln und in den Mützen nicht gleich erkennen. Das sind die entscheidenden Sekunden für euch.«
Die anderen umstanden das Häuschen, als Zado und Bindig die Tür aufstießen und eintraten. Sie lauschten, die Pistolen in den erhobenen Händen. Timm hatte den einen Soldaten vom Fenster weggeschoben und sich selbst dort aufgestellt. Er sah die beiden eintreten in ihren braunen Mänteln, mit den Pelzmützen über den geschwärzten Gesichtern. Er beobachtete ihre Bewegungen und die Bewegungen der Schläfer. Er hatte die Pistole in der Hand, aber er brauchte sie nicht. Die Schüsse in dem Häuschen knallten kurz und trocken. Sie waren ein paar Meter weiter nicht mehr zu hören. Als Timm sich von dem Fenster abwandte, dachte er: Sie sind die besten Pistolenschützen aus dem ganzen Haufen. Tadellose Soldaten hat Deutschland hervorgebracht. Sie beißen sich nicht einmal auf die Lippen, wenn sie töten. Jung und kalt. Sie töten wie die Schlächter.