Niven, Bill: Das Buchenwaldkind

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Verkaufspreis24,90 €

Beschreibung

Bill Niven
Das Buchenwaldkind
Wahrheit, Fiktion und Propaganda
Aus dem Englischen von Florian Bergmeier

328 S., geb., mit s/w-Abb.
ISBN 978-3-89812-566-6

 

Bruno Apitz’ Roman »Nackt unter Wölfen« über den 3-jährigen polnischen Juden Stefan Jerzy Zweig, der von Gefangenen im KZ-Lager Buchenwald bis zu seiner Befreiung im April 1945 beschützt wurde, galt in der DDR als eine bewegende Geschichte väterlicher Hingabe und des antifaschistischen Widerstands und wurde in den frühen Jahren zu unterschiedlichen Zwecken politisch benutzt.
Bill Niven geht Zweigs Schicksal nun in drei Phasen auf den Grund: Wahrheit, Fiktion und Propaganda. Die erste Phase erzählt die Wahrheit von Zweigs Geschichte, was ihm in Buchenwald zustieß, wie er gerettet wurde und um welchen Preis. Phase zwei bietet eine ausführliche Analyse des langwierigen Entstehungsprozesses und der enormen Wirkung des fiktionalen Berichts von Bruno Apitz. Zuletzt wird gezeigt, wie die DDR diesen Roman als wahre historische Begebenheit auszugeben versuchte, zuerst mit Hilfe des DEFA-Filmes und dann mit Zweig selbst, indem man ihn dafür gewinnen wollte, die staatliche Version zu bekräftigen, nachdem er 1963 wiederentdeckt worden war.
»Das Buchenwaldkind« ist wissenschaftlich fundiert, jedoch verständlich und faszinierend geschrieben. Als lehrreiche Ergänzungslektüre zu Apitz’ Roman »Nackt unter Wölfen« und dem gleichnamigen DEFA-Film ist es nahezu unverzichtbar.

Autor

Prof. Dr. Bill Niven, Jahrgang 1956, lehrt Zeitgenössische Deutsche Geschichte an der Nottingham Trent University in England. Er hat mehrere Bücher geschrieben bzw. herausgegeben zum Thema Vergangenheitsbewältigung in Deutschland seit 1945. Zurzeit arbeitet er an einer vergleichenden Studie über die Erinnerung an den Holocaust in Ost- und Westdeutschland, sowie an einem Buch über den Untergang der »Wilhelm Gustloff«.

Pressestimmen

»Niven argumentiert in seinen erinnerungspolitischen Kapiteln schlüssig und belegt seine Thesen detailliert.«
ARCHIV für die Geschichte des Widerstandes und der Arbeit, Heft 19, 2011

»Wie der Titel schon ankündigt, geht es ihm um mehr als Ideologiekritik. Das Buchenwaldkind  lebte fortan als Wahrheitsbeweis der Legende, die ihn ein Leben lang begleitete und belastete. Hier setzt Bill Niven ein, der wohl von Beginn an nicht weniger vorhatte, als den Schleier zu lüften und Stefan Jerzy Zweig von seiner Last zu befreien. Dieses persönliche Engagement für den Überlebenden des Holocausts, das sein Werk durchzieht, unterscheidet es von manchem deutschen Text. Doch nicht allein dies macht das Besondere dieser Abhandlung aus. Bill Niven blickt von außen auf eine 'innerdeutsche' Geschichte. Dieser Abstand ermöglicht ihm einen moderierenden Ton und ein Heranführen bis an die Gegenwart. Solcherart kritische Begleitung der nationalen Geschichtspolitik und Erinnerungsbildung ist in höchstem Maße wünschenswert.«
Einsicht 05 (Bulletin des Fritz Bauer Instituts), Frühjahr 2011

»Der Autor stellt kenntnisreich und gut gegliedert die Konstruktion und die Dekonstruktion des Buchenwald-Mythos mit Hilfe der halb-authentischen Rettungsgeschichte dar. Niven findet eine sehr klare Sprache und wertet präzise und differenziert. Sowohl die Geschichtspolitik der DDR als auch unsere aktuelle, die er als antikommunistisch diffamiert, würdigt er sehr kritisch und streitbar. Ein spannendes, anregendes Buch über die beständige Umformung von Geschichte nach den Erfordernissen der Gegenwart.«
Andruck – Das Magazin für Politische Literatur, Deutschlandfunk, 16. Februar 2009

»Nivens Buchenwaldkind ist ein akribisch recherchiertes, auf historischen Fakten aufbauendes politisches Drama. Obwohl ein Sachbuch, liest es sich wie eine Shakespeare-Tragödie. Bill Niven gebührt Hochachtung, denn er versucht mit seinem Buch zum Thema KZ Buchenwald eine Brücke zu bauen, auf der sich Ost- und Westdeutsche treffen können, um eine gemeinsame historische Perspektive für ihre Vergangenheit zu finden.«
Deutschland Archiv 2/2009

»Gewöhnt, sich durch Archive zu ackern, hat Bill Niven nicht nur geprüft, was bisherige Prüfungen brachten. Der Historiker hat seine Schlüsse gezogen. Imponierend, was er an Fakten und Daten anhäufte. Imponierend auch, sein Wille zu verstehen, was die Unterschiede zwischen Realem und Fiktivem verursachte. Niven ist kein penetranter Polemiker. Er ist kein Propagandist. Er weiß seine Analyse besonnen, bedacht, doch nie schulmeisterlich zu vertreten und zu verteidigen. So ist es leicht, seiner Sicht der Dinge zu folgen. Aufrichtig ehrgeizig, wie der Autor ist, läßt er deutlich werden, wie enorm die Kluft zwischen Wahrem und Unwahrem ist.«
literaturmarkt.info, 23. März 2009

»Diese neue, interessante und mutige Arbeit versammelt nicht nur mehr als ein halbes Jahrhundert deutscher Historie und drei politische Systeme. Sie verbindet auf faszinierende Art und Weise historische Fragen mit Fakten der Literatur-, Film- und Kunstgeschichte und wirft einen erschreckenden Blick auf eine Form des verordneten Andenkens.«
Naumburger Tageblatt, 28. März 2009

»Niven liefert ein insgesamt aufschlussreiches, nützliches Werk. Ein Buch, das sich durch einen vorurteilslosen, fairen und beherzten Zugriff auf die Fakten auszeichnet, den man auch tapfer nennen kann.«
Mitteldeutsche Zeitung, 4./5. April 2009

»Der britische Historiker Bill Niven analysiert in seiner hervorragenden Studie den Mythos Buchenwald von der Vorgeschichte bis in die gegenwärtigen Debatten. Er legt akribisch und sehr detailliert, aber durchweg hervorragend lesbar die Entwicklungslinien und Subtexte frei und vermittelt dabei nicht nur einen umfangreichen Überblick zum Schicksal des Buchenwaldkindes, sondern zeigt darüber hinaus exemplarisch, wie schwierig und vielschichtig der Umgang mit dieser jüngeren deutschen Geschichte war und bis heute ist.«
ekz-Informationsdienst, Mai 2009

»Bill Niven analysiert sensibel, auf hohem akademischen Niveau und äußerst akribisch die Zusammenhänge von historischer Realität, literarischer Fiktion und deren Instrumentalisierung für die Legitimation der DDR als antifaschistischer Staat. Er setzt sich mit großer Sachkenntnis mit der Entstehung des Buchenwald-Mythos auseinander, beschreibt die Wirkung von Buch und Film, verfolgt die Lebensspuren Stefan Jerzy Zweigs und dessen verbitterte Auseinandersetzung mit der Erinnerungskultur der Nachwendezeit, die seine Rettung nicht mehr als heroische Tat von kommunistischen Widerstandskämpfern darstellt. Ein Meisterwerk an Einfühlungsvermögen.«
Das Historisch-Politische Buch Nr. 57, Ausgabe 6/2009