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Diener-Staeckling, Antje: Der Himmel über dem Rat

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Verkaufspreis44,00 €

Antje Diener-Staeckling
Der Himmel über dem Rat
Zur Symbolik der Ratswahl in mitteldeutschen Städten
Studien zur Landesgeschichte, Bd. 19
Zugl. Diss., Univ. Münster 2006

368 S., geb., s/w-Abb.
ISBN 978-3-89812-477-5

 

Die jährliche Ratswahl war im ausgehenden Mittelalter das wichtigste Ereignis in einer Stadt. Ihre Symbole und Formen werden dargestellt an Beispielen wie Mühlhausen, Erfurt, Goslar, Halberstadt, Wittenberg und Leipzig.

Bereits im 10. Jahrhundert zählte die mitteldeutsche Region unter den ottonischen und salischen Herrschern zu den zentralen Regionen des mittelalterlichen Reiches. Zur Sicherung der Herrschaft an der Ostgrenze entstanden hier im 13. Jahrhundert zahlreiche Städte, die aufgrund ihrer guten wirtschaftlichen Entwicklung im 14. und 15. Jahrhundert eine größtmögliche Unanhängigkeit erlangten. Hier bildete sich bald, wie auch in anderen Städten, eine eigene städtische Lebensform heraus, die eignes Recht sprach und setzte und sich schließlich eine eigene Regierung schuf. Im Gegensatz zu anderen mittelalterlichen Herrschaftsformen von Adel und Klerus beruhte die Stadtregierung der Gruppe des Rates nicht auf Geburt. Ursprünglich leitete er seine Herrschaftsgewalt von der jährlichen Einsetzung durch die Gemeinde ab. Der offizielle Ratswechsel, eingebunden in die Liturgie und an die Heiligen des jährlichen Wahltages, garantierte die Rechte und damit den Wohlstand der gesamten Stadt, denn in der Ratswahl wurde auf diese Weise die städtische Ordnung nach außen und innen immer wieder legitimiert und bestätigt.
Aufgrund ihrer konstanten und bisher im Bezug auf diese Fragen nur wenige beachteten Quellensituation eigneten sich die Städte Aschersleben, Halberstadt, Quedlinburg, Goslar, Nordhausen, Mühlhausen, Erfurt, Leipzig, Naumburg, Wittenberg, Weimar und Zerbst besonders, die jährliche Ratswahl und ihre Symbole und Formen zu untersuchen. Der Blick in die unterschiedlichsten Quellen, zu denen auch Bilder und Gebäude mit ihrer Außen- und Innenausstattung gehörten erlauben es die Formen und Symbole der Ratswahl vom Spätmittelalter bis in die frühe Neuzeit nach zu verfolgen.


Antje Diener-Staeckling, geb. Staeckling, geboren in Bad Homburg (Hessen), seit 1997 Studium der Mittleren Geschichte an der Westfälischen-Wilhelms-Universität in Münster, Magisterexamen 2002, seit Oktober 2002 Mitglied im DFG Graduiertenkolleg »Gesellschaftliche Symbolik des Mittelalters« in Münster, Abschluss der Promotion Februar 2006 über »Ratswahlrituale im mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Mitteldeutschland«. Seit dem 1. Mai 2006 Archivreferendarin für den höheren Dienst beim Landesarchiv Nordrhein-Westfalen.


1. Einleitung …9
1.1. Ziele und Vorgehensweise …9
1.2. Die genutzte Überlieferung: Texte, Bild- und Raumprogramme und Musik …18

I.
1. Mühlhausen: Unter den Augen des Herrschers …27
1.1. Die Ratswahl in Mühlhausen im 14. Jahrhundert …27
1.2. Die Entwicklung der Ratswahl bis ins 18. Jahrhundert …29
1.3. Bewährungsprobe für das System – der Sonderfall Müntzer …41

2. Nordhausen: Zwischen Kaiserstube und Stadtkirche …45
2.1. Die Ratswahl vor 1375 …45
2.2. Geschicht und Wahlbrief von 1375 …47
2.3. Die Ratswahl im 15. und 16. Jahrhundert …49

3. Goslar: Im Zeichen der Strahlenkranz-Madonna …60
3.1. Der Rat und seine Wahl seit 1400 …60
3.2. Die Orte der Ratswahl …65

4. Erfurt: Unter dem Himmel …80
4.1. Die Ratswahl in Erfurt …80
4.2. Der Ratssaal von Erfurt: Ort des wechselseitigen Eides …83
4.3. Der Transitus des Rates als Verfahren und Vorbild …87

5. Naumburg an der Saale: Sankt Wenzels Stadt …89
5.1. Die Verfassungsänderung von 1329 und ihre Folgen …89
5.2. Die Wahl des Rates im Licht der städtischen Überlieferung …91
5.3. Bindung an einen neuen Stadtherrn und die Bedeutung für die Ratswahl …93
5.4. Der heilige Wenzel als universeller Stadtpatron …99

6. Leipzig: Zu den Klängen der Staatsmusik …102
6.1. Im Zentrum: Die Cathedra …102
6.2. Die Leipziger Ratswahl: Eine Ratssetzung …105
6.3. Exkurs: So künstlich angenehme Music – die Ratswahlkantate …106
6.4. Zum Festzeitraum der Ratswahl …109

7. Halberstadt: Im Licht der Ratslaterne …115
7.1. Die Aufgaben des Rates und die Wahl vor 1425 …116
7.2. Die Ge-Schicht und ihr Einfluss auf die Ratswahl …117
7.3. Die Ratswahl nach 1425 …119

8. Aschersleben: Unter der Linde im Kirchhof …125
8.1. Die Ratswahl vor und nach 1531 …125
8.2. Die Ratswahl: Von Gemeindemitbestimmung zu ratsherrlichem Patriziat …130

9. Quedlinburg: Die Übergabe der Amtsschlüssel …132
9.1. Die Quedlinburger Ratswahl vor 1400 …132
9.2. Die „Unterwerfung“ der Stadt 1477 …133
9.3. Rat und Ratswahl nach der Unterwerfung von 1477 …136
9.4. Die Ratswahl in der Frühen Neuzeit …137
9.5. Die Orte der Ratswahl in und außerhalb der Stadt …139

10. Zerbst: Ratszugang durch Gemeindezustimmung …146
10.1. Die Ratswahl in Zerbst …146
10.2. Die Bierfehde und ein Eingriff in die Ratswahl …149
10.3. Orte der Inszenierung …151
10.4. Der Vertrag von 1460 und die Veränderung der Ratswahl …151

11. Wittenberg: Die Ratswahlpredigt nach der Reformation …154
11.1. Die Ratswahl in Wittenberg …154
11.2. Luthers Zwei-Reiche-Lehre …155
11.3. Orte der Ratswahl …157
11.4. Predigten als Quellen zur Ratswahl …159

12. Weimar: Der Ratseid im Laufe der Jahrhunderte …161
12.1. Ratseide als Traditionskerne …161
12.2. Die Ratswahl zwischen Selbst- und Fremdbestimmung …162
12.3. Orte der Ratswahl und Repräsentation des Rates …165

II.
1. Zeit und Verfahren …171
1.1. Heiligentage und ihr Einfluss auf den Ratswechsel …171
1.2. Wahltag und Lichtsymbolik …173
1.3. Zwischen den zwölf Aposteln und dem Heiligen Geist: das Wahlverfahren …179
1.4. Die Grundlagen der städtischen Ordnung: Zwischen Gemeinem Nutzen und heiligem Jerusalem …195

2. Raum und Verfahren …202
2.1. Das Rathaus …202
2.2. Die Kirchen …220

3. Auswirkung und Bedeutung der Reformation …230
3.1. Reformation in Mitteldeutschland …230
3.2. Die Reformation in der Stadt: Zerfall der Sakralgemeinschaft? …234
3.3. Ratsreformation und Ratsobrigkeit …236
3.4. Bedeutung der Reformation für Rat und Ratswahl …239

4. Resümee und Ausblick …242

Anmerkungen …254
Quellen, Hilfsmittel und Literatur …340
Abbildungsnachweis …366

Pressestimmen

»Die Arbeit gliedert sich in zwei Teile. Im ersten Teil werden zwölf Städte in Hinblick auf die Entwicklung der Ratswahl, den rituellen Ablauf sowie die Orte der Ratswahl vorgestellt. Dabei stützt sich die Autorin in vielen Fällen auch auf ungedrucktes Archivmaterial. Im zweiten Teil möchte die Autorin den Symbolgehalt ergründen, der in der gewählten Zeit und den gewählten Orten des Ratswechsels liegen könnte. Leider entsteht in diesem zweiten Teil immer wieder der Eindruck, dass die untersuchten Städte nicht als Ausgangspunkt und Prüfstein der vorgebrachten Thesen dienen, sondern eher ihr schmückendes Beiwerk sind. Ein bleibendes Verdienst der Autorin ist jedoch, das Wahlzeremoniell in den zwölf sehr unterschiedlichen Städten umfangreich erschlossen und damit ein Kompendium erstellt zu haben, das künftig bei der Beschäftigung mit der Symbolik der Ratswahl nicht umgangen werden kann.«
Zeitschrift für Thüringische Geschichte, 64 (2010)

»Zusammenfassend ist zu konstatieren, Antje Diener-Staeckling hat eine in vielerlei Hinsicht anregende, aber in ihren empirischen Grundlagen nicht immer unproblematische Studie vorgelegt. Der Wert der Arbeit liegt vor allen Dingen darin, den ritualhistorischen Forschungsansatz auf eine bisher kaum betrachtete Region des Reiches angewendet und die Ratswahl in wichtigen mitteldeutschen Städten erstmals einer vergleichenden Betrachtung unterzogen zu haben.«
sehepunkte, Oktober 2010

»Die Autorin wertet nicht nur Ratseide und Chroniken aus, sondern operiert mit einem deutlich erweiterten Quellenbegriff, der auch die Einbeziehung der jeweiligen historischen Innen- und Außenräume gestattet. Sie beschreibt in eindrucksvoller Form die umfangreichen Wechselwirkungen und Verknüpfungen von Ritus, Symbolik und Normsetzung bei den Ratswechseln in den untersuchten Städten. Damit gibt die Arbeit interessante Hinweise auf diejenigen Prozesse, in denen sich die städtische Ordnung formiert. Die besprochene Arbeit dürfte gerade auch wegen des zugrundeliegenden weiten Quellenbegriffs sowohl für allgemeine Historiker als auch Kunst- und Rechtshistoriker von Interesse sein, zeigt sie doch die umfangreichen Verknüpfungen von Recht, Ritual und Raum in mitteldeutschen Städten auf, die als komplexes Wechselspiel verstanden werden müssen, welches zentral für das Verständnis des Phänomens Stadt wenigstens bis zum Dreißigjährigen Krieg ist.«
Zeitschrift des Mediävistenverbandes e.V., Band 15/2010, Heft 1

»Zahlreiche Lageskizzen, Bilder von Rathäusern, Kirchen und Skulpturen runden den gediegenen Band, der stellenweise recht polemisch wirkt, in sinnvoller Weise ab. Die Autorin hat neben vielen gedruckten Quellen auch einige ungedruckte Archivmaterialien aus den jeweiligen Stadtarchiven herangezogen und präzise interpretiert. Nun wird uns eine solche symbolgeschichtliche Darstellung zwar nicht ablenken können von der nüchternen Geschichte der sozialen und rechtlichen Auseinandersetzungen in diesen Städten, aber sie ist doch auch eine wertvolle Ausdeutung und Ergänzung dieser Ereignisgeschichte.«
Das Historisch-Politische Buch, März/2009

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