Gerrit Walczak
Konservator und Modernist – Ludwig Grote und das Bauhaus, 1925–1932
Hg. von der Kulturstiftung Dessau-Wörlitz und der Anhaltischen Gemäldegalerie
Sachbuch
80 S., KlBr., 165 × 240 mm, Farb- und s/w-Abb.
ISBN 978-3-68948-144-5
ET: August 2026
Der „Kunstwart“ Ludwig Grote als Förderer der Moderne
Ende 1926 sicherte sich der Freistaat Anhalt das Dessauer Palais Reina für die Anhaltische Gemäldegalerie und dazu das barocke Schloss Oranienbaum. Zuständig für beide Häuser war der Landeskonservator und „Kunstwart“ Ludwig Grote (1893–1974). Im Vorjahr hatte Grote geholfen, das Bauhaus nach Dessau zu ziehen; wie kein anderer betrieb er die Integration des Bauhauses und seiner Lehrer in das Kunst- und Kulturleben der Landeshauptstadt. Grote wählte Bilder Kandinskys, Feiningers und Klees für die Gemäldegalerie aus, organisierte Ausstellungen ihrer Werke und richtete seine Dienstwohnung mit Möbeln aus der Bauhaus-Tischlerei ein. Modernismus und Denkmalpflege verbindend, beauftragte er den Leiter der Bauhaus-Werkstatt für Wandmalerei, Hinnerk Scheper, mit der Farbgestaltung des Palais Reina und eines Teils der Räume im Schloss Oranienbaum, wo sich originale Farbfassungen bis heute erhalten haben.
Die Publikation geht den vielfältigen Verbindungen des Landeskonservators mit dem Dessauer Bauhaus und seinen Künstlern zwischen 1925 und der neuerlichen Vertreibung 1932 nach, namentlich ihrer materiellen Überlieferung. Zwar verlor die Anhaltische Gemäldegalerie die meisten ihrer Werke von Bauhauskünstlern im Nationalsozialismus und wurde das Palais Reina im Krieg zerstört, doch die Bauhausmöbel aus der Dienstwohnung Grotes sind heute in der Münchner Neuen Sammlung, dem Berliner Bauhaus-Archiv und der Stiftung Bauhaus Dessau zu finden. Und in Oranienbaum blieb eine Reihe 1927 nach Entwürfen Schepers farblich gestalteter Räume unversehrt: Die einzigen originalen, auf einen Bauhausmeister zurückgehenden Wandfassungen sind erhalten, wo man sie am wenigsten vermutet – in einem barocken Gebäude, dessen damalige Nutzung als Schlossmuseum und Filiale der Anhaltischen Gemäldegalerie erstmals untersucht wird.
Gerrit Walczak, geb. 1970, ist Privatdozent für Kunstgeschichte an der TU Berlin, Redakteur der „Zeitschrift für Kunstgeschichte“ und freiberuflicher Kunsthistoriker. Er war Forschungsstipendiat in München, Berlin und London, habilitierte sich 2008 an der Universität Hamburg und vertrat Professuren in Bochum, Köln und Greifswald. Er veröffentlichte Aufsätze, Beiträge zu Ausstellungskatalogen und mehrere Bücher.