Uecker, Günther: Poesie der Destruktion

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Verkaufspreis25,00 €
Produkt Verfügbarkeitsdatum: 11.09.2018

Beschreibung

Günther Uecker
Poesie der Destruktion
Im Dialog mit Michael Kluth 1988–2018
Reihe Ateliergespräche

192 Seiten, gebunden, 165 × 240 mm, Farbabbildungen
ISBN 978-3-96311-038-2

ET: September 2018


Kunst, aus Schmerz geboren – Der Maler und Objektkünstler Günther Uecker im Porträt

Günther Uecker gilt mit seinen einzigartigen Nagelbildern, Skulpturen und Prägedrucken als einer der großen deutschen Künstler der Gegenwart. Weniger bekannt sind seine Arbeiten mit Schnüren und Asche, Holz und Sand, seine Schriftbilder und zarten Aquarelle. Seine schöpferische Kraft kommt aus tiefem Schmerz. 1930 geboren erlebt er als 14-Jähriger in den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs entsetzliche Dinge. Zuerst muss er diese traumatischen Erlebnisse verdrängen. Nach seiner Flucht kommt er 1955 nach Düsseldorf und an der Akademie ist plötzlich abstrakte, aktive Kunst möglich. Mit seinen Kollegen Heinz Mack und Otto Piene gestaltet er den legendären Zero-Raum auf der Documenta III. Seine internationale Karriere beginnt.
In den über 30 Jahre andauernden Gesprächen mit dem Filmemacher Michael Kluth entstehen seine Selbstzeugnisse über das Leiden, aber auch über die Annäherung an eine Harmonie, die er dem Scheitern der Menschheit entgegensetzt.

Künstler

Günther Uecker, geb. 1930, ist einer der bekanntesten deutschen Maler und Objektkünstler. Er studierte Malerei in Wismar und an der Kunstakademie in Berlin-Weißensee. 1953 siedelte er nach West-Berlin über und setzte 1955 sein Studium an der Kunstakademie Düsseldorf fort. 1956/1957 entstanden erstmals die für ihn typischen relie­fartigen Nagelbilder. Seit den 1980er Jahren nimmt er in seinen Werken zu politischen Fragen Stellung: So reagierte er etwa auf die Katastrophe von Tschernobyl mit dem Zyklus »Aschebilder«.

Autor

Michael Kluth, geb. 1939 in Zeitz, ist Filmautor und Filmproduzent. Er studierte Slawistik, Philosophie, Kunstgeschichte und Theaterwissenschaften in Hamburg und Wien. Seit den 1990er Jahren begleitet er mit der Kamera den Künstler Günther Uecker sowohl in seinem Düsseldorfer Atelier wie auch auf seinen Reisen ins Ausland. Dabei entstanden mehrere Dokumentationen für die ARD, das ZDF und ARTE. Zuletzt entstanden verschiedene Filmprojekte mit Günther Uecker, u. a. »Huldigung an Hafez«.

Leseprobe

Ein Schlüsselmoment für meine Nagelbilder gibt es, auch wenn ich mir das erst viel später eingestanden habe. Kurz vor Kriegsende wurde mein Vater auf einen Stützpunkt nach Ostpommern verlegt. Ich war also alleine mit meiner Mutter und meinen Schwestern, als die Russen kamen. Die sahen wirklich geschunden aus, man sah, dass sie Schreckliches erlebt hatten. Ich hatte Mitgefühl mit ihnen.
Aber dann gingen sie manchmal in Gruppen in Häuser, und es waren ja fast nur Frauen und Kinder da. Männer gab es ja keine, ich war mit vierzehn Jahren der Mann. Das war alles sehr dramatisch, viele Frauen haben sich umgebracht, sind ins Meer gegangen. Ich habe mir überlegt, wie ich meine Mutter und meine Schwestern schützen könnte. Und so habe ich in unserem Haus von innen Holzplatten vor alle Fenster und ­Türen gemacht und alles festgenagelt. So habe ich mit der ­Nagelei begonnen.