Szőcs, Géza: Untergrundfürsten

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Verkaufspreis20,00 €

Beschreibung

Géza Szőcs
Untergrundfürsten – Geschichten aus Siebenbürgen
Erzählungen
Aus dem Ungarischen von Hans-Henning Paetzke 
Mit Illustrationen von Andrea Jánosi

128 S., geb., 135 × 210 mm
ISBN 978-3-96311-472-4

ET: April 2021


Mystische Erzählungen aus Siebenbürgen

Siebenbürgen haftete immer etwas Feenhaftes an: veränderlich, unsicher, unerwartet, halluzinierend, schwebend, Schatten, Zauber, Irrwisch im Schrank, Illusionen, aus Kampfer genähter Mantel an den Kleiderhaken gehängt, aufwärts fließende Bäche, güldene Haarsträhnen in der Nacht, Vielleicht-doch-Wesen. Land der geheimen Fürsten, über das ein unbekannter Himmelskörper herrscht. Die Geschichten von Géza Szőcs bieten der Leserschaft einen unerschöpflichen Sprach- und Bilderreichtum und bewahren Siebenbürgen vor dem Vergessen. Wen Siebenbürgen interessiert, in dessen Bücherregal oder, wie der Autor sarkastisch anmerkt: wenigstens in dessen Keller oder auf dessen Dachboden könnte dieses Buch mit Zeichnungen der preisgekrönten Illustratorin Andrea Jánosi ein Plätzchen erhalten.

Autor

Géza Szőcs (1953–2020), Angehöriger der ungarischen Minderheit in Rumänien, ging von 1986 bis 1989 ins politische Exil in die Schweiz, wo er in Genf als Journalist arbeitete. Er schrieb Gedichte, Prosa, Dramen und Essays und arbeitete als Übersetzer und in der Politik. Seine Gedichte gelten als wichtige Dokumente in Verbindung mit dem Sturz des Kommunismus in Ungarn und Rumänien. Zahlreiche Literaturpreise.

Nachruf

Hans-Henning Paetzke zum Tod eines Untergrundfürsten (Géza Szőcs, 1953-2020)

Nun ist er nicht mehr, der Menschenfreund und begnadete Dichter, mein Freund Géza Szőcs. Zumindest nicht in meiner physischen Nähe. Doch in meiner geistigen und seelischen Nähe wird er bleiben, wird mein Leben auch weiterhin begleiten. Ebenso wie László Rajk, György Konrád und einer meiner Brüder, die mit ihrem Tod im letzten Jahr innerhalb einer einzigen Woche irgendwie Verrat an mir, an uns, den Zurückgebliebenen, geübt haben. So jetzt auch Géza. Im August zu seiner Geburtstagsparty sprachen wir nur wenige Worte miteinander. Es herrschte zu viel Trubel. Und natürlich klingelte sein Telefon ständig. Das Telefon war seine Schwäche. Nein, Stärke! Das Telefon war seine Nabelschnur zur Welt.
Auch zwischen Budapest und Peking, wo seine Gedichte unlängst in einer Million Exemplaren aufgelegt worden waren, liefen die Satellitenleitungen gelegentlich heiß. Unlängst noch rief er mich aus Peking an, wollte wissen, wann genau die deutsche Übersetzung  seines Erzählbandes  Ha polip szuszog Kolozsvárott (auf Deutsch: Untergrundfürsten) erscheinen würde. Denn er wolle unbedingt einen Fahnenabzug sehen. Ja, natürlich. Die Fahnenkorrektur für das vom Mitteldeutschen Verlag zur Leipziger Frühjahrsmesse geplante Buch werde ich jetzt leider allein vornehmen müssen. Auch zu den Lesungen wirst du nur als Schemen neben mir sitzen. Und ich werde achtgeben müssen, mich nicht von einer übermächtig werdenden Trauer auf dem Podium beherrschen zu lassen.
    
Wenn der Mensch hinübergeht
In unterirdischen Raum,
liest Gott der Allmächtige
den ihm gereichten Traum.

Géza, ruhe sanft, mein guter und treuer Freund!