Ecker, Christopher: Andere Häfen

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Verkaufspreis16,95 €

Beschreibung

Christopher Ecker
Andere Häfen
Erzählungen

240 S., geb., 130 × 200 mm
ISBN 978-3-95462-915-2

Erschienen: September 2017


Neue Erzählungen – Christopher Ecker macht es kurz

Bergleute verschwinden spurlos in einem Harzer Silberbergwerk; jemand entdeckt nach der Wohnungsauflösung des ­Elternhauses ein Polaroid-Foto, das sein Leben auf den Kopf stellt; ein Aufenthalt in Paris verwandelt die Stadt in ein unlösbares Rätsel; eine Familie geht einkaufen, doch der Supermarkt erweist sich als Welt, aus der es kein Entkommen gibt …
In 87 Erzählungen zeigt Christopher Ecker, wie ein Autor heutzutage schreiben kann und muss. »Andere Häfen« ist ein umfassendes Kompendium der Stile und Ideen – zum Staunen, zum Erschrecken, zum Genießen. Eine Feier des reflektierten Erzählens, das in sich selber ruht und zugleich aus sich selbst heraus explodiert. In Konsequenz, Ideenreichtum und enzyklopädischem Anspruch erweist sich »Andere Häfen« vielleicht als Christopher Eckers innovativstes Buch, das seinem Tausendseiter »Fahlmann« und seinem nihilistischen Rundumschlag »Der Bahnhof von Plön« mindestens ebenbürtig ist.

Autor

Christopher Ecker, geb. 1967 in Saarbrücken, studierte Germanistik und Philosophie. Für sein literarisches Schaffen erhielt er mehrere Preise, u.a. 2015 den Friedrich-Hebbel-Preis. Zuletzt erhielt Ecker den Kunstpreis des Saarlandes 2018.
Seit 2007 ist er Autor des Mitteldeutschen Verlags; hier mehrere Romane und Lyrik, zuletzt erschienen sein Erzählband »Andere Häfen« (2017) und der von ihm herausgegebene und aus dem amerikanischen Englisch übersetzte posthume Band »Endzone – Letzte Gedichte« (2018) des Lyrikers Tom Disch. Ecker lebt und arbeitet in Kiel.

PRESSESTIMMEN

»Ich bin wie erschlagen von Eckers Fähigkeit, in wenigen Zeilen ganze Romane zu umreißen. Spielerisch verlässt er jede Fixation, kann Kind, Greis oder Lehrer sein und mutiert im nächsten Moment zu einem verwesenden Leichnam.«
Anne Hahn, piqd.de/Literatenfunk, 08. März 2018

»Das grandiose Gemenge aus kryptischer Prägnanz, assoziativer Montierlust und grenzenlosem linguistischem Pläsier prägt wie frühere Werke auch dieses Miniaturenkabinett.«
Neues Deutschland, 06. März 2018

»Das Buch ist Lesespaß pur, großartige Lektüre und kluge Kunst. Es reichen wenige Sätze, um ganze Räume, wenn nicht sogar Kosmen sich entfalten zu lassen. Ein großes Leseabenteuer.«                                                                              
Hauke Harder, leseschatz.com, 15. Februar 2018

»Nach einer ähnlich einfallsreichen wie klugen Lektüre müsste man länger suchen.«
BÜCHER-magazin, Dezember/Januar 1.2018

»Souverän und in einer wie stets bei diesem Autor unglaublich präzisen Sprache führt er die Lesenden in bizarre Situationen.«
Lebensart im Norden, 02.2018

»Christopher Ecker hat ein derart scharfes Auge und analytisches Verständnis des menschlichen Zusammenlebens, dass es beinahe beunruhigend ist.«
www.mamaviola.de, 26. Januar 2018

»sehr ideenreich, reflektierend und fantasievoll, voller Philosophie und Gesellschaftskritik«
ekz-Informationsdienste, 13. November 2017

»Eckers manchmal extrem kurze Geschichten wecken Urängste. Lebende Tote, Doppelgänger, geheime Organisationen, die uns kontrollieren. Er hat jedoch herrlich skurrile Bilder dafür.«
Andrea Ring, NDR Kultur, 25. September 2017

»Auf dieses Buch haben wir gewartet.«
Uwe Schütte, Wiener Zeitung, 21./22. Oktober 2017

»Ecker versteht sich auch auf die knappe literarische Form.«
Kieler Nachrichten, 29. September 2017

»Das Buch zeigt, was mit den Mitteln der Science-Fiction möglich ist, wenn man sie als Sprungbrett und nicht ausschließlich als lauwarm temperiertes Planschbecken begreift.«
Kai U. Jürgens, diezukunft.de, 21. Dezember 2017

»[…] die erzählerische Raffinesse ist einer der vielen Reize, die „Andere Häfen“ dem Leser bietet.«
Hannes Hansen, hansen & munk, 27. September 2017

LESERSTIMMEN

»Andere Häfen ist, wie sollte es auch anders sein, weniger komplex als Eckers Romane, deswegen aber nicht weniger gut, und alles, was ich an diesem Autor so schätze, ist auch in diesem Band zu finden. Und auch die Sachen, die ich weniger schätze – diese Körperöffnungen-Sache ist mir echt ne Nummer zu hart. Für alle, die sich wegen Dicke (Fahlmann) oder Ekel (Der Bahnhof von Plön) bisher nicht für Ecker entscheiden konnten, ist das hier der perfekte Einstieg.«
Marion Rave, www.schiefgelesen.net, 23. September 2017

»Doch Ecker collagiert nicht einfach Vonnegut, Surrealismus und Kafka zusammen. Seine Texte sind etwas sehr Eigenes, es ist tatsächlich eine neue Art des Erzählens, die er mit Andere Häfen vorlegt.«
Eva Wißkirchen, comparaison d'être, 14. Oktober 2017

»Ein Buch für Kurzgeschichtenliebhaber und die, die es noch werden wollen.«
Anja, Mein Bücherregal und ich, 21. November 2017

Leseprobe

Dort, wo wir es am wenigsten erwartet hätten, stießen wir auf einen Raum, dessen Boden fast vollständig mit kopfgroßen, eierschalenfarbenen Gebilden bedeckt war. Offenkundig bemerkten sie unsere Anwesenheit, denn kaum hatte ich einen Schritt in den Raum hinein gemacht, schienen die Gebilde zu erschlaffen oder die Luft anzuhalten. Hilfe suchend oder mir Mut machend berührten mich Hände am Rücken und am Hinterkopf, doch kaum hatte ich mich in der Türöffnung umgedreht, sah ich, dass mich meine Begleiter keineswegs ängstlich, sondern erwartungsvoll ansahen. Aber da ich bereits zu diesem Zeitpunkt nichts mehr verstand oder verstehen wollte, hob ich, bevor ich zu rennen anfing, zutiefst gerührt über die unermessliche Zuversicht und das blinde Vertrauen, das meine Begleiter in mich setzten, den Schirm in die Höhe wie ein Reiseleiter, der selbst in größtem Gedränge seine Gruppe zusammenhalten will.

Interview

Woher bekommen Sie die Inspiration für ihre Werke?
Ideen fliegen mich an, Eindrücke, Szenen; ich denke darüber nach und manchmal entwickelt sich dann der Keim einer Geschichte. Oft entstehen meine Texte aus einer winzigen Kleinigkeit heraus, etwa der Vorstellung eines Schlitzes im Holzboden eines bretonischen Hotelzimmers (daraus wurde Die letzte Kränkung) oder einige Nächte in einem fensterlosen Zimmer in New York (daraus wurde Der Bahnhof von Plön). Das klingt jetzt einfach, ist aber weitaus komplizierter, als ich jemals zugeben würde.

Wie sind Sie auf die Idee gekommen nach Ihren bisherigen Romanen ein Werk bestehend aus mehreren Erzählungen zu schreiben?
Das hat sich von selbst ergeben. Plötzlich wurde mir bewusst, dass ich an einem Erzählungsband arbeitete. Doch der Unterschied zu meinen Romanen ist gar nicht so groß, wie es scheint, denn die Geschichten sind miteinander verknüpft und bilden, obzwar sie auch einzeln gelesen werden können, ein Ganzes.

Was haben Sie beim Schreiben dieses Buches am meisten genossen?
An einem Roman sitzt man Jahre, aber eine Erzählung ist schlichtweg rascher geschrieben. Es stellt sich daher viel schneller ein Gefühl der Zufriedenheit ein, etwas bewältigt zu haben, obwohl ich im Grunde genommen länger an dem Erzählungsband gearbeitet habe als an meinen Romanen. Aus psychologischen Gründen sollte man vielleicht viel mehr Erzählungen schreiben.